Sehstörung

Was sagen uns die Augen? Sind sie der Spiegel unserer Seele? Schon immer wurde die Macht der Augen beschworen und jedem ist das Sprichwort „Ein Blick sagt mehr als tausend Worte“ bekannt . Sie können Ablehnung, Wut, Angst aber auch Freude, Sympathie und Liebe bekunden. Zum Glück lassen sich auch die Augen nicht immer in die Karten sehen.

Tatsache ist, dass der Gemütszustand an den Augen ablesbar ist. Abneigung und Feindseligkeit führen zur Verengung der Pupillen und zum leichten Zusammenkneifen der Augen: Der stechende Blick. Positive Gefühle dagegen vergrössern die Pupillen, die Augen öffnen sich und glänzen. Zehn Millionen Informationen werden im Sekundentakt an das Gehirn weitergeleitet. Aus diesem Übermass an Bildeindrücken filtert das Sehsystem in Sekundenschnelle die subjektive Wahrnehmung heraus . Ein Viertel der Grosshirnrinde ist ausschliesslich mit der Verarbeitung der visuellen Reize beschäftigt um einen gewissen Über – bzw. Durchblick herzustellen. Wir als Augenmenschen orientieren uns hauptsächlich über den  Sehsinn. Da ich seit jeher, auch mit bestmöglich angepassten Brillengläsern, nicht jedes Detail wahrnehmen kann, frage ich mich wie es umgekehrt wäre. Aus diesem Gedankengang heraus kristallisierte sich das Bedürfnis, Sehstörungen für jedermann sichtbar zu machen. Als Hilfsmittel dazu verwende ich das Objektiv-Auge. Ich habe mich für das Medium Fotografie entschieden, weil das unbewegte Bild klarer wahrgenommen wird. Der Betrachter kann sich darin vertiefen und sich damit auseinander setzen ohne dass ständig neue Bildeindrücke auf das Gehirn strömen wie beim bewegten Bild. Durch Recherchen im Internet und das Studium von Fachliteratur erarbeite ich mir die Grundlagen

Das Auge

Das Sehen beschäftigt uns ein Leben lang. Mehr als 80 Prozent aller Informationen nehmen wir über das Auge auf. Gutes Sehen hat da erste Priorität. Und wenn es nicht von Natur aus so ist, wird die Fehlsichtigkeit mit einer Brille oder Kontaktlinsen korrigiert. Die von einem Gegenstand ausgehenden Lichtstrahlen treffen zunächst auf die aussen liegende Hornhaut, die zusammen mit der dahinter liegenden Linde und dem gallertartigen Glaskörper den lichtbrechenden Teil des Augapfels bildet. Als Blende fungiert die farbige Regenbogenhaut (Iris), deren Öffnung, die Pupille, kann sich durch Muskelkontraktion dem Lichteinfall anpassen: Bei Helligkeit zieht sie sich zusammen, bei Dunkelheit öffnet sie sich. Die Linse kann sich durch Veränderung ihrer Wölbung auf nah und fern einstellen, sodass auch unterschiedliche weit entfernte Objekte scharf abgebildet sind. Die in der Linse gebündelten Strahlen treffen schliesslich auf einen Brennpunkt, der beim normalsichtigen Auge genau auf dem lichtempfindlichen Teil der Netzhaut liegt. So entsteht ein scharfes Abbild des fixierten Objektes, das infolge der Berechnung auf dem Kopf steht. Der Sehnerv leitet sämtliche visuellen Reize an das Gehirn weiter, für jedes Auge einzeln. Erst dort wird das Bild „umgedreht und zusammengesetzt“ mit dreidimensionalen Eindruck.

Sehstörungen

Erkrankungen der Augen betreffen verschiedene Teile und Funktionen. Manche führen zu ausgeprägten Beschwerden, viele verlaufen jedoch schleichend mit langsam zunehmenden Sehstörungen.

Die Kurzsichtigkeit

Bei dieser Form der Fehlsichtigkeit werden Objekte bis in etwa 5m Entfernung scharf wahrgenommen. Alle weiter entfernten Gegenstände sieht man nur noch unscharf. Das erklärt sich daraus, dass sich die parallel ins Auge einfallenden Lichtstrahlen nicht punktförmig scharf auf der Netzhaut abbilden, sondern vor der Netzhaut im Glaskörper. Der Brennpunkt ist also nach vorn verlagert. Wenn die Strahlen erreichen sind sie schon wieder zerstreut, also unscharf. Die Entfernung von 5m ergibt sich daraus, dass parallel ins Auge einfallende Strahlen immer von weiter entferten Objekten stammen. Von den nähern Gegenständen gehen keine parallelen, sondern divergente (auseinandergehende) Strahlen aus, die noch korrekt auf der Netzhaut abgebildet werden können.

Die Weitsichtigkeit

Bei dieser Sehstörung werden Objekte in weiter Entfernung scharf wahrgenommen, die in der Nähe dagegen unscharf. Das bemerkt man vor allem beim Lesen und Schreiben sehr deutlich. Grund für die Sehstörung ist eine Verlagerung des Brennpunktes der einfallenden Strahlen hinter die Netzhaut. Wenn sie darauf treffen, ergibt sich also noch kein scharfes, sondern ein unscharfes Abbild. Verursacht wird die Weitsichtigkeit meist durch einen anlagebedingten zu kurzen Augapfel. Bei der Altersichtigkeit handelt es sich um eine leichtere Form der Weitsichtigkeit. Ab dem 40 bis 45 Lebensjahr nimmt die Elastizität der Augenlinse ab. Gleichzeitig lösst auch die Spannkraft des Ziliarmuskels, der die Linse mehr oder weniger wölbt, langsam nach, so dass die Akommodationsfähigkeit verringert wird. Als Folge vermindert sich die Brechkraft der Augen. Der Punkt an dem man nahe Objekte noch scharf erkennt, rückt immer weiter vom Auge weg (Zeitung lesen mit ausgestreckten Armen).

Der Astigmatismus oder Stabsichtigkeit

Bei der Stabsichtigkeit entsteht auf der Netzhaut kein Brennpunkt. Die parallel einfallenden Licht Lichtstrahlen können sich deshalb nicht zu einem punktförmigen Abbild auf der Netzhaut vereinigen, sondern werden abnorm zerstreut. Scharfes Sehen ist weder in der Nähe noch in die Ferne möglich. Hervorgerufen wird der Astigmatismus durch eine abnorme Wölbung der Hornhaut. Sie deformiert den normalen Strahlengang der Parallel einfallenden Lichtstrahlen.

Doppelbilder/Lähmungsschielen

Zum Schielen kommt es, wenn die automatische Gleichschaltung der Augenachsen gestört ist. Das eine Auge betrachtet dann das Objekt, das andere blickt in eine andere Richtung. In der Regel gelingt es, das Schielen zu kontrollieren. Doch bei einer Lähmung der Augenmuskeln, hervorgerufen durch die direkte Muskelschädigung oder indirekt durch eine Störung der für die Muskelsteuerung zuständigen Nerven ist dies nicht mehr möglich. Dieses Schielen tritt meist spontan auf, das Gehirn kann nicht „lernen“, die Sehstörung auszugleichen. Symptomatisch sind vor allem Doppelbilder (Das Objekt wird in zwei verschiedenen Richtungen lokalisiert und zweimal abgebildet. Der Patient weiss nicht welches Bild real ist und kann somit z.B. nicht gezielt nach etwas greifen).

Das „nasse“ Auge.

Zur vorübergehenden vermehrten Absonderung von Tränenflüssigkeit kommt es oft durch psychische Eindrücke (Trauer, Schmerz, Freude, Wut und Zorn). Sie erregen über das vegetative Nervensystem die Funktionen der Tränendrüsen an. Aber auch Fremdkörper oder Reizungen durch Kälte oder UV-Strahlung fördern die Tränenbildung im Auge. Das trübt den Blick.

Eingeschränktes Gesichtsfeld

  1. Diese Sehstörung tritt bei folgenden Augenkrankheiten auf: Netzhautablösung: Bei dieser oft vorkommenden Erkrankung lösen sich Teile der Netzhaut von der darunter befindlichen Aderhaut ab Durch die Öffnung in der Netzhaut dringt nun dauernd Flüssigkeit aus dem Glaskörper ein. Dadruch werden die beiden Häute im Bereich des Defektes voneinander abgelöst. Durch einen Eingriff mit Laserstrahlen wird der Defekt behoben. Urheber sind vor allem chronische Entzündungen, manchmal Geschwülste oder Verletzungen. Kurz vor dem vollständigen Durchbrucch des Loches nimmt man häufig Lichtblitze wahr, später einen schwarzen Fleck oder spinnennetzartige Strukturen.
  2. Netzhautdegeneration: Die Erkrankung ist zum Teil anlagebedingt, häufig tritt sie aber erst ab der Lebensmitte bei Schäden der kleinsten Gefässe der Aderhaut auf (Mangel an Durchblutung). Die Krankheit betrifft in der Regel zunächst die Mitte der Netzhaut, also auch den „gelben Fleck“ als Stelle des schärfsten Sehens. Dadurch wird zuerst das zentrale Gesichtsfeld deutlich eingeschränkt. Im weiteren Verlauf breitet sich die unbehandelte Degeneration zur Peripherie der Netzhaut hinaus, das Gesichtsfeld wird von innen nach aussen fortschreitend verringert, bis schliesslich nur noch die äussersten Ränder des Gesichtsfeldes vorhanden sind. Bei Netzhautdegeneration muss oft mit hochgradiger Sehschwäche oder völliger Blindheit gerechnet werden.
  3. Arterien- bzw. Venenverschluss: Die Blutversorgung der Netzhaut erfolgt über eine Zentralarterie und eine -vene, die sich dann in kleinere Äste verzweigen. Die beiden grossen Blutgefässe können durch Blutgerinnsel verschlossen werden, sodass es zur Mangeldurchblutung der Netzhaut kommt. In schweren Fällen erblindet das betroffene Auge plötzlich durch einen Verschluss. Häufig kommt es aber nur zu erheblichen Ausfällen des Gesichtsfeldes, meist des unteren oder oberen Teils, als würde der betroffene Teil mit einem schwarzen Vorhang überzogen. Normalerweise ist nur ein Auge betroffen.

Der graue Star

Typisch für den grauen Star ist zwar immer die Trübung der Linse, aber es gibt nicht nur einen grauen Star, sondern verschiedene Formen der Krankheit. Nach den Ursachen unterscheidet man angeborene und im laufe des Lebens durch schädliche Einflüsse auf die Linse erworbene Formen sowie der am häufigsten vorkommende Altersstar ab etwa dem 60. Lebensjahr. Die Trübung kann die gesamte Linse oder nur Teile davon betreffen : punktförmige Trübungen, die in der Linse verstreut auftreten ; Trübung im Zentrum der Linse; runde oder keulenförmige, fleckige Linsentrübungen, die sich kranzförmig in der Peripherie der Linse zusammenfügen. Von Form und Ausdehnung der Trübungen hängt es ab, wie stark das Sehvermögen beeinträchtigt wird. Im Endstadium wird die Umgebung nur noch nebelhaft wahrgenommen, man unterscheidet lediglich Hell -Dunkel -Unterschiede und die Richtung aus der das Licht einfällt. Die getrübte Linse wird erst bei fortgeschrittenem Star durch einen operativen Eingriff ersetzt. Da die Krankheit schleichend über Jahre verläuft, muss der Betroffene längere Zeit mit der zunehmenden Sehstörung leben.

Der grüne Star oder Glaukom

Im Gegensatz zum grauen Star, der lediglich Sehstörungen erzeugt, aber ke i ne bleibenden Schäden hinterlässt, führt der grüne Star schon bald zu Defekten, die nicht mehr geheilt werden können. Diese Defekte entstehen, wenn das Kammerwasser aus dem Auge nicht a b – fliessen kann. Dadurch wird der Augeninnendruck erhöht. Die Druckbelastung sch ä digt das Auge erheblich, insbesondere den Sehner v. Verhüten kann man sie nur durch frühzeitige, konsequent lebenslang durchgeführte Therapie durch Medikamente, sofern keine Operation erforderlich wird. Die Sehstörungen werden erst nach und nach wahrgenommen. Ein Warnzeichen ist das in Abständen vorüber gehend auftretende Nebelsehen oder das Wahrnehmen von farbigen Ri n – gen in Lichtquellen. Leider treten diese Warnboten oft so leicht und flüchtig auf, das sie nicht wahrgenommen werden. Nach und nach wird das Gesichtsfeld eingeschränkt, was aber erst wahrgenommen wird, wenn das zweite (gesunde) Auge den Ausgleich nicht mehr schafft und der Sehnerv schon recht beschädigt ist. Jede 4. bis 5. Erblindung wird durch die nicht rechtzeitige Erkennung des grünen Stars verursacht. Deshalb sollte jeder, als einzige mögliche Früherkennung des grünen Stars, ab dem 45. Lebensjahr jährlich den Augendruck messen lassen.

Farbfehlsichtigkeit

Für die Wahrnehmung von Farben sind die Sehpigmente in den Zapfen der Netzhaut zuständig. Davon gibt es drei Arten, je einen für den Rot – , Grün – und Blauanteil des Lichtes. Aus der Mischung dieser Farben ergibt sich die vielfältige Mischung unseres Farbsehens. Die Störung des Farbsehens ist angeboren (betroffen sind nur Männer, da die Krankheit nur auf die Männer weitervererbt wird) oder erworben (beide Geschlechter betroffen) hauptsächlich durch Erkrankungen an der Netzhaut, den optischen Bahnen oder der Hirnrinde. Totale Farbenblindheit kommt relativ selten vor. Die Betroffenen können nur Helligkeitsunterschiede wahrnehmen. Von teilweiser Farbenblindheit spricht man, wenn der Betroffene nur zwei der drei Grundfarben wahrnehmen kann. Die Farbfehlsichtigkeit ist keine ernsthafte Krankheit aber überall dort wo Farben eine Rolle spielen mehr oder weniger eine Einschränkung.

„Fliegende Mücken“

Diese Wahrnehmung entsteht durch sehr kleine Trübungen im Glaskörper des Auges. Sie ähneln tatsächlich oft kleinen Mücken und bewegen sich mückenartig durch das Gesichtsfeld . Wenn sie häufiger auftreten oder dauernd bestehen, empfinde man es meist als sehr störend. Stark Kurzsichtige aber auch Normalsichtige können betroffen sein.

Völlige Blindheit

Der Ausfall des Sehvermögens mit Pupillenstarre und der Unfähigkeit zur Lichtempfindung ist entweder angeboren oder wird durch eine Erkrankung hervorgerufen. Handelt es sich um eine vorübergehende Erblindung, hervorgerufen durch augenunabhängige Ursachen wie Gehirnerschütterung, Schockzustände oder ein rein seelischer Grund, kehrt das Sehvermögen nach der erfolgreichen Behandlung der entsprechenden Erkrankung wieder zurück. Dauernde völlige Erblindung erfordert eine Rehabilitation in einem Sehzentrum.

Die Aufzählung ist nicht abschliessend. Die oben beschriebenen Sehstörungen können auch noch bei anderen Erkrankungen auftreten, sowie es auch noch weitere nicht erwähnte Sehstörungen geben wird. Die fett gedruckten Textstellen bezeichnen die Fehlsichtigkeit, die ich im Bild sichtbar machen will.
Umsetzung Für diese Arbeit verwende ich das Objektiv des Fotoapparates als Auge. Als Motiv für alle Bilder verwende ich das Relief einer Alp mit Gebäuden und den ansteigenden Geländestrukturen, gehalten in weiss. Darauf gestalte ich ein Bild mit Kühen, farbigen Figuren (Alpleute und Gipfelstürmer) und einem Steinmännchen (wie es auf Berggipfeln anzutreffen ist) in unterschiedlichem Abstand (um die räumliche Distanz herzustellen) zum Objektiv – Auge. Um die Sehstörungen darzustellen reize ich einerseits die darstellerischen Möglichkeiten des Fotografierens aus, nehme aber auch Fremdmaterial zu Hilfe. Den letzten Schliff erhalten die Bilder durch digitale Bearbeitung.
Präsentiert wird das Projekt Sehstörung als Installation (Diaschau mit Text und Musik hinterlegt), dargestellt als Augapfel auf einem Acryl-Glasrohr. Der Augapfel besteht aus einer Styroporkugel, die auf beiden Seiten eine Öffnung aufweist. Die vordere symbolisiert die Pupillenöffnung, als Linse dient ein digitaler Bilderrahmen, worauf das Video Sehstörung zu den oben beschriebenen Krankheiten abläuft. Die hintere Öffnung dient als Lüftungs – und Bedienungsraum. Die Kugel ist bemalt, die Iris blau, der Augapfel weiss inklusive der Blutbahnen in der Lederhaut. Das ganze Objekt ist 1.70 m hoch mit einem Durchmesser von 50 cm.

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